Above and Beyond – English Drama Group

Es ist schwer vorstellbar, dass wir kleinen Erdbewohner*innen die einzige Spezies sind, die dieses schier unendliche Weltall bevölkert. Irgendwo muss doch noch etwas vorhanden sein, was wir mit „Leben“ verbinden. Der Gedanke daran eröffnet jedenfalls einen breiten Raum für Spekulation und Hypothesen. Doch bleibt es meist bei dem Gedankenexperiment, denn wenn Galaxien Lichtjahre entfernt liegen, also selbst mit Lichtgeschwindigkeit erst in unzähligen Jahren zu erreichen wären, dann werden wir den „Außerirdischen“ ohnehin nicht begegnen. Zumindest nach aktuellem Stand der Technik … Oder? Was wäre denn, wenn die Bewohner*innen des Weltalls nicht auf uns warten, bis wir es endlich geschafft haben, uns in ferne Galaxien zu katapultieren, sondern sie schon längst unter uns leben? Würden wir sie erkennen? Wie würden sie hier denn überleben? Wo würden sie überhaupt schlafen? … Na, wo wohl: in einem Hotel natürlich. Doch zu welchen Problemen das führen würde, konnte an zwei Abenden auf der Bühne des WHG miterlebt werden.

In dem Stück Above and Beyond von Robert Scott, inszeniert von Julia Mackowiecki und Ralf Lehnert mit Unterstützung von Emilia Schonowski, sind Mortimer (Soey Hurst) und Philomena (Nina Schmitt) mit ihrem Sohn Alexus (Ismail Harmouch) die emsigen Betreiber des intergalaktischen Hotels, das für die Erdbewohner*innen nur als normaler Buchladen erkennbar ist. Die Familie, die sich nach Kräften bemüht, all ihren kosmischen Gästen die Wünsche von den Lippen abzulesen, gerät in Schwierigkeiten, als die schnippische Mrs. Hoffenstoffen (Danila Schwabauer) die für sie so unhaltbaren Zustände an das galaktische Ministerium meldet. Umgehend erscheint Rummage (Finja Lederer), die heitere Inspektorin, um sich nach dem Rechten umzusehen.

Doch damit nicht genug: Die irdischen Geheimagentinnen Dee (Annalena Heß) und Ess (Laura Schrauth) sind – unterstützt von ihrem Adjutanten Tee (Max Schlageter) – den Betreibern des Buchladens auf der Spur. Sie sind nicht nur damit beschäftigt, ihre Identitäten geheim zu halten, sodass die Nachhaltigkeit ihrer ständigen Namensänderungen fragwürdig wird, sondern auch damit, außerirdische Aktivitäten ausfindig zu machen. Und als sei das noch nicht anstrengend genug, meldet sich Mortimers Cousin Alf (Isabella Ruggeri), der seine seit 15 Jahren ausstehende Einladung nun endlich wahrnimmt – ein schlechterer Zeitpunkt ist kaum denkbar, denn Alf ist giftgrün und für die Irdischen sofort zu erkennen.

Die Konsequenz ist klar: Mortimer, Alexus und Philomena haben alle Hände voll zu tun, alle Beteiligten unter ihrem Dach aneinander vorbeizumanövrieren und weder der Inspektorin noch den Geheimagentinnen einen Hinweis auf die jeweils andere Seite zu geben. Nicht gerade hilfreich ist dabei, dass das Ehepaar Blowette (Finn Mellow & Ronja Winterholler) ihr neues Kind empfängt und gebärt – und das innerhalb weniger Stunden. Dass das Ganze auch noch von Rezendeer (Letizia La Rocca) in einem interstellaren Livestream moderiert wird, bringt die Situation völlig außer Kontrolle.

Als alles auffliegt, müssen sich Mortimer, Philomena und Alexus den Konsequenzen stellen. Ein Glück, dass es auch hier einen Ausweg gibt: Die irdischen Agent*innen werden ganz nach Men-in-Black-Manier mit ihren eigenen Waffen „geblitztdingst“. Die Inspektorin verkündet als Strafe „Tod dadurch, in das Herz eines sterbenden Sterns geworfen zu werden“ – oder eine Strafzahlung von 50 Dollar. Die Erleichterung der Familie ist zu spüren. Das Hotel darf weiter bestehen… Also seid aufmerksam bei eurem nächsten Büchereibesuch!

Ein besonderer Dank gilt der Bühnenbild AG unter der Leitung von Frau Köhler, die dieser schrägen und lebhaften Komödie erst den nötigen stellaren Touch verlieh und der Bühnentechnik-AG unter der Leitung von Herrn Zimmer, die mit all ihren Licht-, Ton- und Bühneneffekten die Zuschauer*innen in ihren Bann zog.

Wendel Overlack