Frontalunterricht, Klausuren, Freunde treffen und zwischenzeitlich ein paar interessante Lerninhalte; so würden die meisten Schülerinnen und Schüler wohl ihren Schulalltag beschreiben. Doch Lernen geht auch anders. Die Deutsche SchülerAkademie (DSA) ist ein Förderprogramm, das es Oberstufenschüler*innen ermöglicht, zwei Wochen ihrer Sommerferien mit anderen motivierten Jugendlichen in einem Ferienlager gemeinsam zu lernen, zu arbeiten und Spaß zu haben. Jährlich finden mehrere solcher Akademien an verschiedenen Orten in Deutschland statt. Jede davon ist wiederum in sechs Kurse eingeteilt, in denen jeweils ein spezifisches Thema aus den Natur- und Geisteswissenschaften intensiv behandelt wird.
Im vergangenen Jahr hatte ich das große Glück, Teil der DSA Torgelow gewesen zu sein. Für meine Teilnahme durchlief ich bereits im Frühjahr ein Bewerbungsverfahren. Als ich schließlich die Nachricht erhielt, dass ich angenommen wurde, war ich überglücklich. Denn ich hatte tatsächlich die Zusage für meinen Wunschkurs „Die rechtschraipkatastrofe – Müssen wir uns für Rechtschreibfehler schämen?“ erhalten. Schon vor meiner Anreise zum Schlossinternat war Einiges zu tun. Ich lernte per Video-Call eine meiner Kursleiterinnen kennen, wurde einer Gruppe zugeteilt und durfte gemeinsam mit drei anderen Teilnehmern eine Präsentation erstellen. Meine Nervosität stieg immer weiter an, je näher sich das Schuljahr dem Ende neigte.
Mitte Juli war es so weit: Nach einer mehrstündigen Zugfahrt erreichte ich endlich Torgelow am See. Noch immer wollte die Aufregung mich nicht loslassen. Kaum betrat ich das Gelände, prasselten unglaublich viele neue Eindrücke auf mich ein: Das wunderschöne Schloss, ein einladender See umringt von Bäumen, Sportplätze und überall verteilt rund 100 neue Gesichter. Jugendliche aus ganz Deutschland kamen zusammen, damals noch als völlig Fremde. Was uns jedoch alle vereinte, waren der unstillbare Wissensdurst und der Spaß am Lernen.
Am darauffolgenden Tag begann die Kursarbeit. Zweifel mischten sich unter meine Gefühle. Bin ich dem gewachsen? Habe ich es verdient hier zu sein? Werde ich den Inhalten des Kurses folgen können? Alles schien zu viel, zu groß, zu überwältigend. Schlussendlich durfte ich feststellen, dass meine Sorgen völlig unbegründet waren. Zum einen teilten wir alle dieselben Ängste. Zum anderen wurden wir zwar sehr gefordert, doch dabei immer unterstützt und nie überfordert.
Gerade in meinem Kurs waren die Gemeinschaft und der Zusammenhalt herausragend. Wir untersuchten die deutsche Sprache von Grund auf und erarbeiteten Schritt für Schritt Methoden, mit denen Kindern bestmöglich die deutsche Rechtschreibung nähergebracht werden kann. Andere Kurse beschäftigten sich unterdessen mit KI, Approximationen oder Jura. Um ganz ehrlich zu sein, wurden wir mit unserer Rechtschreibdidaktik häufig von den anderen Kursen belächelt. Aus meiner Sicht hätte ich jedoch keine bessere Wahl treffen können. Schließlich hätte ich sonst nie erfahren, dass die Schreibung des Substantivs „Igel“ nicht allein durch das phonographische Prinzip erklärt werden kann.
Neben der schönen, aber auch anstrengenden Kursarbeit hatten wir natürlich auch Zeit für kursübergreifende Freizeitangebote (küAs). Fast jede Idee fand ihre Umsetzung. Das oberste Ziel: Voneinander zu lernen und Neues auszuprobieren. So wurden ein Chor, mehrere Bands und ein Vokalensemble gegründet. Auch wurde getanzt, gebacken, neue Sprachen gelernt und sogar ein Strafprozess gegen die Stiefmutter Schneewittchens durchgeführt. Unpolitisch blieb unsere Zeit in Torgelow ebenfalls nicht. So fand eine nachgestellte Versammlung des UN-Sicherheitsrates statt und jeden Morgen wurden die wichtigsten News des Tages verkündet. Abends vergnügten wir uns mit Siedler und anderen hochkomplizierten Strategiespielen. Anschließend folgten (nerdige) Gespräche bis tief in die Nacht hinein. Mit der Zeit wurde der Schlafmangel so groß, dass die Konzentration während der Kurszeit für viele Teilnehmer schier unmöglich wurde.
Schnell gewöhnten wir uns an den Tagesablauf, bestehend aus Kursarbeit und küAs. Es fühlte sich fast schon wie ein neuer Alltag an. Manchmal fand auch keine Kursarbeit statt. Beispielsweise am Ausflugstag, an dem wir zwischen verschiedenen Zielen in der Region wählen konnten. Ich entschied mich für einen Besuch der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Ravensbrück, in dem zur NS-Zeit hauptsächlich Frauen inhaftiert waren. Der Besuch war auf schreckliche Weise bewegend. Gerade die Geschichten einiger Opfer, die nicht einmal den Grund für ihre Inhaftierung kannten, berührten mich sehr. Wieder einmal durfte ich lernen, wie wichtig es ist, sich an die Vergangenheit zu erinnern.
Mein persönlicher Höhepunkt im positiven Sinne war das Konzert, das wir an unserem letzten Abend in der nahegelegenen Stadt Waren abhalten durften. Dort konnten wir auch die Lieder, die wir im Chor über die vergangenen zwei Wochen einstudiert hatten, endlich präsentieren und natürlich allen anderen tollen Musikgruppen lauschen.
Schlussendlich war die DSA für mich eine durchweg positive und vor allem bereichernde Erfahrung. Ich habe in so kurzer Zeit so viel gelernt und bin über mich hinausgewachsen. Gerade das konstruktive Feedback meiner Kursleiterinnen hat mir sehr geholfen. Vor allem aber durfte ich großartige Menschen kennenlernen, die meine Interessen teilen und seither an meiner Seite stehen. In kürzester Zeit wurden aus Fremden Freunde. Von Herzen danke ich daher dem WHG und Frau Kudruss, dass mir durch den Schulvorschlag diese unvergessliche Erfahrung ermöglicht wurde!
Sarah Schäfer, K2












